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Propaganda und Gegenöffentlichkeit. Roland Jahn (Radio Glasnost) im Gespräch mit Markus Reuter (Netzpolitik.org) über die Freiheit der Information
„Fake News“ gab es schon immer. Einer besonderen Beliebtheit erfreuten sie sich in der DDR. Allerdings schenkte kaum jemand den Berichten im „Neuen Deutschland“ über die 150-prozentige Erfüllung eines Plansolls Glauben. Polit-Propaganda über die Gesellschaft lehrte die Menschen, die Botschaften zu ignorieren. Massive Überwachung durch die Stasi verhinderte den freien Diskurs. Aber das Verschweigen der Realitäten führte zu eigenen Medien, in der DDR und aus dem Westen, wie Radio Glasnost, von Juli 1987 bis November 1989 einmal monatlich auf Radio 100. Es war der Versuch, gegen die kontrollierte öffentliche Meinung und die verschwiegene Realität mit dem Medium Radio Fakten und offene Diskussion zu setzen.
Damals ist Heute, nur umgekehrt. Die heutige Krise der pluralistischen, öffentlichen Kommunikation gefährdet die Grundlage für die persönliche und kollektive Meinungsbildung: Lügenpresse-Vorwürfe, Social Bots, Troll-Armeen, Fake News als schneller Gelderwerb und Propaganda-Kampagnen, die das Abstimmungsverhalten ganzer Bevölkerungen beeinflussen. All dies führt zu einer Erosion von Vertrauen in Medien und die Institutionen des demokratischen Gemeinwesens. „Postfaktisch“ ist das Wort des Jahres 2016 und „post-truth“ in der englischen Sprache. Orwell’sche Zeiten.
Die Medien der „alternativen Wirklichkeiten“ explodieren: Junge Freiheit, Compact, RT Deutschland, KenFM, Sezession, PI-News, Bundesdeutsche Zeitung, Klagemauer.tv usw. Wo entstehen heute emanzipatorische, aufklärerische Formen der Gegenöffentlichkeit? Was können uns Archive wie das Stasi-Unterlagen-Archiv, das Archiv der DDR-Opposition oder das Radio 100 Archiv an Hilfestellung bieten?
Siehe auch Pageflow-Dokumentation zu Radio Glasnost.
Höre auch Radio Glasnost – Stimme der klugen DDR-Opposition, Talk im Stadtmuseum mit Dieter Rulff, im Rahmen des Radiokunst-Festivals Radiorevolten, Oktober 2016 in Halle (Saale)
Gäste:
Moderation: Dagmar Hovestädt, Journalistin